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Kurio­se Aus­wüch­se der neu­en DS-GVO? Das Namens­schild an der Tür­klin­gel könn­te plötz­lich die Pri­vat­sphä­re des Mie­ters ver­let­zen. Daten­schüt­zer hal­ten das für unsin­nig. Eigen­tü­­mer-Ver­­bän­­de for­dern Klar­heit vom Gesetz­ge­ber.

Ver­stößt das Klin­gel­schild eines Mie­ters an der Haus­tür gegen die Daten­schutz­grund­ver­ord­nung? Über die­se Fra­ge ist ein hef­ti­ger Streit ent­brannt. Der Immo­­bi­­li­en-Eigen­tü­­mer­­ver­­­band Haus&Grund emp­fiehlt der »Bild-Zei­tung« zufol­ge aktu­ell sei­nen Mit­glie­dern, vor­sorg­lich die Namens­schil­der zu ent­fer­nen. Nur so kön­ne sicher­ge­stellt sein, dass die Pri­vat­sphä­re der Mie­ter gewähr­lei­stet und Buß­gel­der in Mil­­lio­­nen-Höhe für den Ver­mie­ter ver­mie­den wür­den, zitiert die Zei­tung Ver­­­bands-Prä­­si­­dent Kai Warnecke.

Müs­sen Mie­ter jetzt also ihre Klin­gel­schil­der abschrau­ben? Daten­schüt­zer hal­ten das für über­trie­ben. Die Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te Andrea Voß­hoff emp­fiehlt Ver­bän­den und Insti­tu­tio­nen, sich vor etwai­gen öffent­li­chen Rat­schlä­gen bei den zustän­di­gen Auf­sichts­be­hör­den erst ein­mal nach der Rechts­la­ge zu erkun­di­gen. Ein Klin­gel­schild mit Namen fal­le in der Regel gar nicht in den Anwen­dungs­be­reich der DSGVO.

»Wir hal­ten die DSGVO hier nicht für anwend­bar, da es sich um kei­ne auto­ma­ti­sier­te Daten­er­fas­sung han­delt«, sagt auch Jana Schö­ne­feld, Spre­che­rin der Ber­li­ner Daten­schutz­be­auf­trag­ten Maja Smolt­c­zyk, der dpa. Das Regel­werk grei­fe nur bei auto­ma­ti­sier­ten Daten­ver­ar­bei­tun­gen und Datei­en.

»Offen­sicht­lich geht es hier ein­mal mehr dar­um, die Men­schen mit der­ar­ti­gen Absur­di­tä­ten zu ver­un­si­chern und sub­stanz­los gegen die neue EU-Daten­­schut­z­grun­d­­ver­­or­d­­nung zu wet­tern«, schätzt der netz­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­­nen-Fak­ti­on, Kon­stan­tin von Notz. Die Behaup­tung, die Klin­gel­schil­der müss­ten abmon­tiert wer­den, »ent­behrt jeder Grund­la­ge«, da sie über­wie­gend ana­log und des­halb daten­schutz­recht­lich nicht betrof­fen sei­en. Selbst bei digi­ta­len Klin­gel­schil­dern lie­ge ein »berech­tig­tes Inter­es­se im Sin­ne von Arti­kel 6 DSGVO« vor.

Er sehe kei­ne Not­wen­dig­keit, die Namens­schil­der abzu­mon­tie­ren, sag­te dage­gen der baye­ri­sche Daten­schutz­be­auf­trag­te Tho­mas Petri. Der Ver­mie­ter sei im Regel­fall sogar ver­pflich­tet, einen Namen an die Klin­gel zu schrei­ben. Nur bei einem Wider­spruch müs­se das Schild weg. Ähn­lich sieht es auch der Prä­si­dent der baye­ri­schen Daten­schutz­auf­sicht Tho­mas Kra­nig. Die Ent­schei­dung aus Wien hal­te er für über­trie­ben, sag­te Kra­nig der »Augs­bur­ger All­ge­mei­nen«.

Auch die Ber­li­ner Daten­schutz­be­hör­de sieht kei­nen Grund zur Panik. Sie emp­fiehlt Ver­mie­tern, den Mie­tern bei Neu­ver­mie­tung eine Wahl­mög­lich­keit zu bie­ten. Alle Namens­schil­der von Alt-Mie­tern zu ent­fer­nen, wäre dage­gen »wirt­schaft­li­cher Wahn­sinn«, sag­te Schö­ne­feld. Bei mög­li­chen Kla­gen wür­de ihre Behör­de den Ver­mie­ter anschrei­ben. Die Ver­hän­gung von Buß­gel­dern hält Schö­ne­feld – zumin­dest in Ber­lin – für unwahr­schein­lich.

Pres­se­mit­tei­lung Baye­ri­sches Lan­des­amt für Daten­schutz­auf­sicht: Klin­gel­schild und Daten­schutz vom 18.10.18