Der euro­päi­sche Gerichts­hof (EuGH) bestä­tig­te mit sei­nen heu­ti­gen Ent­schei­dun­gen, dass die anlass­lo­se Vor­rats­da­ten­spei­che­rung (VDS) nicht mit dem euro­päi­schen Recht ver­ein­bar ist. Ent­ge­gen­ste­hen­de natio­na­le Geset­ze zur Über­wa­chung der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on und des Inter­net­ver­hal­tens der Bevöl­ke­rung sind daher unwirk­sam. Der Lan­des­be­auf­trag­te für den Daten­schutz und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit Baden-Würt­tem­berg Dr. Ste­fan Brink begrüßt: „Das Urteil stärkt die Rech­te der euro­päi­schen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger und schützt sie vor unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ein­grif­fen in ihre per­sön­li­chen Frei­hei­ten, die gera­de von Sicher­heits­po­li­ti­kern immer wie­der gefor­dert wer­den.“

Aller­dings rela­ti­vie­re der EuGH sei­ne bis­lang völ­lig kla­re Absa­ge an jede Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, wenn er Spiel­räu­me für sol­che Über­wa­chun­gen im Fal­le der „kon­kre­ten und ernst­haf­ten Bedro­hung der natio­na­len Sicher­heit“ sieht. Dazu LfDI Ste­fan Brink: „Es ist bedau­er­lich, dass der EuGH von sei­ner glas­kla­ren Ansa­ge ‚Kei­ne VDS‘ abrückt und damit eine natio­na­le Debat­te um eine ‚situa­ti­ve VDS‘ neu ent­facht. Die­se Debat­te kön­nen wir gera­de in Zei­ten von Coro­na, wo Grund­rech­te wie das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ohne­hin schon unter Druck gera­ten, so gut brau­chen wie Keuch­hu­sten.“

Jede anlass­lo­se Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ist schäd­lich, so LfDI Brink wei­ter: Nach wis­sen­schaft­li­cher Ana­ly­se nutzt sie den Sicher­heits­be­hör­den nicht wirk­lich – statt­des­sen wür­den Mil­lio­nen unbe­schol­te­ner Bür­ge­rin­nen und Bür­ger durch­leuch­tet und beim Inter­net­sur­fen aus­spio­niert. „Straf­ver­fol­gung soll­te sich gegen Ver­däch­ti­ge rich­ten – nicht gegen jeder­mann. Die 450 Mil­lio­nen Euro­pä­er wol­len moder­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel wie das Inter­net über­wa­chungs­frei nut­zen – und sol­len das auch in Zukunft unbe­schwert tun kön­nen!“, so Brink abschlie­ßend.

Das Euro­päi­sche Gericht hat­te sich mit Ver­fah­ren aus Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und Bel­gi­en befasst und die dor­ti­ge Vor­rats­da­ten­spei­che­rung zurecht­ge­stutzt.

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