Goog­le Fonts löst Abmahn­wel­le aus

Pres­se­mit­tei­lung des Thü­rin­ger Lan­des­be­auf­trag­ten für den Daten­schutz und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit (TLf­DI) vom 02.11.2022

Aus aktu­el­lem Anlass möch­te der Thü­rin­ger Lan­des­be­auf­trag­te für den Daten­schutz und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit (TLf­DI), Dr. Lutz Has­se über Fol­gen­des informieren:

Lau­fen­de Abmahn­wel­le
Laut Medi­en­quel­len soll es aktu­ell zu einer Abmahn­wel­le gegen tau­sen­de von Web­sites-Betrei­bern kom­men. Grund ist die dyna­mi­sche Ein­bet­tung von Goog­le Fonts auf deren Web­site, ohne vor­ab die Ein­wil­li­gung der Besu­cher der Web­site ein­zu­ho­len. Auch beim TLf­DI gehen regel­mä­ßig Beschwer­den die­ses Inhalts gegen Sei­ten­be­trei­ber ein. Bei einer dyna­mi­schen Ein­bin­dung wer­den die Schrift­ar­ten von Ser­vern des US-Kon­zerns in den Brow­ser des Besu­chers gela­den und dabei per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten, wie z. B. die IP-Adres­se der Benut­zer, in die USA über­mit­telt. Dies ver­stößt laut dem Urteil des Land­ge­rich­tes Mün­chen v. 20. Janu­ar 2022, Az. 3 O 17493/​20, gegen das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht und die Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung. Details fin­den sich in den Urteils­grün­den, abruf­bar unter:

https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y‑300-Z-BECKRS-B-2022-N-612?hl=true

Wor­um geht es genau bei Goog­le Fonts?
Goog­le Fonts sind kosten­lo­se Schrift­ar­ten des US-Kon­zern Goog­le, wel­che zur frei­en Ver­fü­gung ste­hen. Dabei ist es nicht jedem Web­site-Betrei­ber bekannt, dass Goog­le Fonts auch durch ein­ge­bet­te­te Goog­le-Dien­ste (z. B. Goog­le Maps, reCAP­T­CHA) auto­ma­tisch mit­ge­la­den werden.

Der Euro­päi­sche Gerichts­hof ent­schied bereits in sei­nem Urteil vom 16. Juli 2020 (C‑311/​18 „Schrems II“), dass das US-Recht der­zeit den Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten von Bür­gern aus der EU nicht ange­mes­sen gewähr­lei­stet und erklär­te den sog. „Pri­va­cy Shield“ für ungül­tig. Dem­nach gel­ten die USA im daten­schutz­recht­li­chen Sin­ne als „unsi­che­rer Dritt­staat“, der nicht ohne wei­te­res Zugang zu per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten­strö­men aus Euro­pa erhal­ten darf. Nähe­res kann auf der Web­site des Bun­des­be­auf­trag­ten für den Daten­schutz und die Infor­ma­ti­ons­frei­heit nach­ge­le­sen werden:

https://​www​.bfdi​.bund​.de/​D​E​/​F​a​c​h​t​h​e​m​e​n​/​I​n​h​a​l​t​e​/​E​u​r​o​p​a​-​I​n​t​e​r​n​a​t​i​o​n​a​l​e​s​/​A​u​s​w​i​r​k​u​n​g​e​n​-​S​c​h​r​e​m​s​-​I​I​-​U​r​t​e​i​l​.​h​tml

Emp­feh­lun­gen des TLf­DI zu Goog­le Fonts zur Ver­mei­dung von Abmah­nun­gen:
Der TLf­DI emp­fiehlt Betrei­bern von Web­sites zu prü­fen, ob sie Goog­le Fonts ein­set­zen und wenn ja, wie der Dienst in die Web­site ein­ge­bun­den wird. Wer dyna­mi­sche Goog­le Fonts nutzt, soll­te die­se Schrift­ar­ten lokal spei­chern und von dort in den eige­nen Inter­net­auf­tritt ein­bin­den. Wer nicht weiß wie das geht, kei­ne Anlei­tun­gen im Inter­net fin­det, soll­te sich an sei­nen Web-Dien­ste­an­bie­ter wen­den. Stra­to hat bspw. eine Anlei­tung veröffentlicht: