KPMG: Unter­neh­men unter­schät­zen Risi­ken mas­siv

Laut einer KPMG-Stu­die wer­den mehr als ein Drit­tel aller deut­schen Unter­neh­men Opfer von Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät. Größ­ter Risi­ko­fak­tor sind die eige­nen Mit­ar­bei­ter.

  • Mehr als drei Vier­tel der Unter­neh­men in der Stu­die wäh­nen sich in trü­ge­ri­scher Sicher­heit.
  • Größ­te Täter­grup­pe sind eige­ne Mit­ar­bei­ter mit 84 Pro­zent der Nen­nun­gen. Sie stecken sehr häu­fig mit Exter­nen unter einer Decke

Über Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät zu schrei­ben ist inso­fern etwas kom­pli­ziert, als der Begriff zwei sehr unter­schied­li­che Phä­no­me­ne bezeich­net. Zum einen geht es dabei um Straf­ta­ten, bei denen Unter­neh­men die Opfer sind, also etwa um Daten­dieb­stahl in gro­ßen Stil durch Cyber­an­grif­fe Exter­ner. Zum ande­ren dreht sich Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät um Straf­ta­ten durch Unter­neh­men, wobei die Opfer sowohl der eige­ne Laden als auch Exter­ne sein kön­nen.

Die Mei­nungs­for­scher von TNS Emnid haben jetzt im Auf­trag von KPMG eine Befra­gung von 500 Unter­neh­men durch­ge­führt, um die Ent­wick­lung von Art und Umfang sol­cher Straf­ta­ten in den zurück­lie­gen­den zwei Jah­ren zu ermit­teln.

Untreue vor Dieb­stahl und Unter­schla­gung

45 Pro­zent der befrag­ten Fir­men, so ein zen­tra­les Ergeb­nis, waren in die­ser Zeit von Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät betrof­fen, also ent­we­der Täter oder Opfer sol­cher Taten.

Die häu­fig­sten Delik­t­ar­ten sind Betrug und Untreue (45 Pro­zent), dicht gefolgt von Dieb­stahl und Unter­schla­gung mit 43 Pro­zent. Letz­te­re bei­den kom­men bei Groß­un­ter­neh­men mit 63 Pro­zent über­durch­schnitt­lich häu­fig vor. Hier sind dar­über hin­aus Kor­rup­ti­ons­de­lik­te auf dem Vor­marsch, 45 Pro­zent der Befrag­ten Gro­ßen hat­ten damit bereits zu tun. Das bedeu­tet, dass die­se Art von Delik­ten im Ver­gleich zur Situa­ti­on vor zwei Jah­ren – dem Zeit­punkt der vori­gen Befra­gung – um 50 Pro­zent zuge­nom­men hat.

Gefah­ren wer­den mas­siv unter­schätzt

Bemer­kens­wert ist die­se Zahl inso­fern, als gera­de Groß­un­ter­neh­men das Risi­ko, ange­grif­fen zu wer­den, mas­siv unter­schät­zen: Ledig­lich 23 Pro­zent von ihnen befürch­ten einen Angriff, mehr als drei Vier­tel wäh­nen sich also in (trü­ge­ri­scher) Sicher­heit.

Auto­zu­lie­fe­rer Leo­ni um 40 Mil­lio­nen Euro geprellt

Wie gefähr­lich sol­che Arg­lo­sig­keit sein kann, beweist ein aktu­el­ler pro­mi­nen­ter Fall: Der gro­ße Auto­zu­lie­fe­rer Leo­ni aus Nürn­berg gab im August bekannt, um 40 Mil­lio­nen Euro geprellt wor­den zu sein. Nach Unter­neh­mens­an­ga­ben nutz­ten die Gano­ven gefälsch­te Doku­men­te und Iden­ti­tä­ten, um über “elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge” an das Geld zu kom­men.

Offen­sicht­lich hat­te sich jemand als Leo­ni-Mit­ar­bei­ter aus­ge­ge­ben, behaup­tet, beson­de­re Befug­nis­se zu haben und unter die­sem Vor­wand unter­schied­li­che Geschäfts­vor­gän­ge zum eige­nen Nut­zen aus­füh­ren las­sen.

Die Masche erin­nert ein wenig an den popu­lä­ren “Enkel­trick”, bei der Betrü­ger alte Leu­te anru­fen, sich als Ver­wand­te aus­ge­ben und anschlie­ßend Geld über­wei­sen las­sen. Nur dass der Leo­ni-Betrü­ger eben behaup­tet hat, statt Ver­wand­ter eine Art Chef zu sein, des­sen Anwei­sun­gen Fol­ge zu lei­sten sei.

Ein Leser von Spie­gel Online schrieb zu die­sem Fall sehr pas­send, die Masche zie­he nur, “wenn alle Mit­ar­bei­ter ein­schließ­lich Revi­si­on einen gepfleg­ten Schlaf haben und nie­mand sich traut, den ‚Chef‘ gezielt anzu­spre­chen, woher er sei­ne Voll­mach­ten hat.”

Am gefähr­lich­sten sind die eige­nen Mit­ar­bei­ter

So skur­ril der Fall Leo­ni ist: Mehr­heit­lich ent­ste­hen die Schä­den anders. Größ­te Täter­grup­pe sind laut KPMG-Stu­die die eige­nen Mit­ar­bei­ter mit 84 Pro­zent der Nen­nun­gen. Die­se stecken bei ihren Taten sehr häu­fig mit Exter­nen unter einer Decke.